Werbespots & Werbung

Werbespot: Winning is Easy (wenn dich dein Vater verprügelt)

Adidas Junge

Adidas Junge

Hm. Ich weiß nicht so ganz was ich von dem „Winning is easy“ Spot halten soll. Kurz zur Story: Ein kleiner Junge wird von seinem Vater verprügelt und flüchtet deshalb des öfteren in den Wald. Dort findet er dann ein paar Adidas-Turnschuhe und er muss nicht mehr Barfuß wegrennen. So wird er quasi zum Läufer.

Schaut euch den Spot mal an:

Adidas - Winning is Easy

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Kameraführung, Musik, Schnitt, etc. sind absolut grandios. In dieser Hinsicht muss sich der Spot nichts vorwerfen lassen. Auch die Idee, dass der Junge zum Hürdenläufer wird ist richtig gut durchdacht.

Allerdings finde ich persönlich es ein wenig fragwürdig, mit dieser Thematik Werbung zu machen, ohne dabei am Ende in irgend einer Form eine Aussage zu treffen wie: „Wenn ihr Kindesmisshandlungen seht, helft den Kindern“. Stattdessen bekommt man nur „Celebrate Adidas“ zu sehen. Hm.

Aktuell verstehe ich die Botschaft so: „Wenn du an dich glaubst und Adidas Schuhe findest, dann kommst du raus aus der Situation. Mach was aus dir. Halte durch.“ – Mir wäre die Message „Renn weg und besorge dir Hilfe“ irgendwie lieber. Die Frage ist doch, was denkt sich ein 12-Jähriger, der diesen Spot sieht und ebenfalls von seinen Eltern verprügelt wird? Er muss nur lange genug durchhalten?

Mhhh mhh. Ich weiß nicht. Was meint ihr? Sehe ich es irgendwie zu eng

Update: Schande über mich. Ich habe schlecht recherchiert. Bitte unbedingt diesen Kommentar von Seitvertreib lesen.

(via YouTube Empfehlung)

28 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Kai Thrun sagt:

    Kindesmisshandlung ist ein heikles Thema – zu recht. Ich hätte es besser gefunden, wenn man den Grund zum Weglaufen vielleicht nicht ganz so dramatisch gesetzt hätte. Ein normaler pubertärer Kinder-Eltern-Streit hätte es vielleicht auch getan. Ohne Sprache. Sie streiten sich, aber keiner sagt, worum es geht.

    Andernfalls ist natürlich die Frage, ob man sich dann über den Spot unterhalten hätte.

  2. christine sagt:

    In dem Spot wird vermittelt, dass es am Opfer selbst liegt, sich durch Leistung aus misslichen Situationen zu befreien. Wenn du es nicht schaffst, bist Du vermutlich nicht gut genug. Das gefühl der Hilflosigkeit und Auswegslosigkeit, Hilfe zu suchen suchen, scheint nicht legitim. Dabei ist es nunmal ein Machtgefälle und Ausgeliefert sein in Eltern-Kind-Beziehungen. Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle Opfer, die das sehen. Gleichzeitig ist es zum Kotzen, wie hier Leistung und (beruflicher) Erfolg als Allround-Lösung präsentiert wird. Bist du ein „Winner-Typ“, dann ist alles in Butter, dann ist es auch egal, was in deiner Kindheit mit deinen Gefühlen passiert ist. Der Spot ist ein Stück Dreckspropaganda für unsere menschenfeindliche Gesellschaft.

    1. Ben sagt:

      Harte, aber teilweise gerechte, Worte. Wobei ich nicht bestreiten möchte, dass es nicht erstrebenswert ist, ein „WInner-Typ“ zu sein. Wer Erfolg hat, hat es in allen Lebenslagen leichter. Dennoch ändert das, wie du sagst, nichts an der Vergangenheit. Aber es macht es leichter, damit zu leben 😉

  3. Berkay sagt:

    Sehe ich so ähnlich wie Kai.

    Ich denke auch, dass es besser gewesen wäre, nicht diese Thematik zu wählen. Aber das heißt jetzt nicht, dass die Werbung schlecht umgesetzt wurde.

  4. Sören Brunke sagt:

    Die Spot ist wirklich gut produziert. Allerdings finde ich den Inhalt mal komplett am Thema vorbei. Würde sehr gern von Adidas mal eine Presseerklärung zu diesem Spot in die Finger bekommen. Ins Fernsehen wird er es definitiv nicht schaffen, was auch gut so ist. In weiten Teilen stimme ich auch mit Christine überein was ihre Meinung angeht!

  5. Addliss sagt:

    Oh Oh, heißer Stoff, an den sich Adidas da ran traut. Ich finde es gut, auch heikle Themen zu bearbeiten. Das ist sicher auch nicht uneigennützig, weil man damit strukturell mehr Aufmerksamkeit erregt. Allerdings fügt sich dieser Junge hier der Strafe, statt sich zu wehren.
    Ich würde zwar nicht ganz so weit gehen wie Christine, denn prinzipiell kann natürlich auch eine „realistische Darstellung“ einer Kindesbiografie intendiert sein – keine Aussage eines Ideals. Faktisch ist es nämlich häufig so, dass die Mütter stillschweigen und die Kinder sich irgendwie fügen, weil sie keinen Ausweg wissen. Insofern „realistisch“.

    Aber eigentlich sollte doch die Werbung dazu dienen, dass dem Schuh positive Eigenschaften zugeschrieben werden sollten! Fügt sich auch das Kind mit diesem Schuh der Misshandlung, wo hat dann der Schuh seine Berechtigung? Er bringt ein Ausweichen, wo eigentlich Konfrontation und Auflehnung nötig wäre. Das heißt, der spätere junge Erwachsene ist zwar ein super Läufer, hat aber trotzdem eine Scheiß-Jugend gehabt. Keine besonders positive Botschaft.

    Schnitt, Ton, Bildtechnik, alles schick. Doch einen Kritikpunkt habe ich: Warum bricht der Spot an der wichtigsten Stelle ab? Die epische Musik lädt förmlich dazu ein, am Schluss den Hürdenlauf zu zelebrieren. Noch einmal einen Höhepunkt zulassen (denn hier wurde „Time“ von Hans Zimmer gekürzt!), wie der Läufer in Zeitlupe die Hürden überwindet – das wäre der Musik und dem Spot angemessen gewesen.

    Aber an den Kommentaren siehst du, Gilly: Du siehst es nicht zu eng. Es ist eine sehr fragwürdige Umsetzung der Thematik.

  6. Sebastian sagt:

    Der erste Kontakt mit dem Vater hat mir schon eine Gänsehaut vermittelt. Also von der Umsetzung 1A. Leider muss ich auch dir Gilly zustimmen: Was ist die Botschaft? Adidas hat dir geholfen ein Winner zu werden oder eher wer nicht durchhält wird weiter geschlagen? Beides ist falsch!
    Es wär besser gewesen auf eine Stiftung von Adidas aufmerksam zu machen gegen Kindesmisshandlung.

    Ich vermute der Spot wird mal im Kino zu sehen sein, aber dann ist die Stimmung im Arsch 😉

  7. Andrea sagt:

    Was ist mir übel. Oberflächliche Effekthascherei. Was soll die Botschaft dieses Spots sein? Verprügelt eure Kinder, dann sind sie motiviert, später Athleten zu werden?

  8. Das ist ein „spec commercial“ (was ist das: http://www.instantcast.com/LearnAbout/AskInstantCast/Spec_Commercial, wo steht das: http://theinspirationroom.com/daily/2011/adidas-winning-is-easy/), das heißt, dass der Film nicht im Auftrag von adidas entstanden ist, sondern der Regisseur Jason Colvin den Film sozusagen als Werbung für sich selbst gedreht hat. Er hat sich halt adidas als Marke für seinen Demowerbespot ausgesucht.
    Insofern hat adidas gar nichts mit der Sache zu tun und wir dürfen weiterhin dreistreifige Schuhe tragen, auch wenn man den Film – wie ich – von der Geschichte her ablehnt (alles, was daran zu kritisieren ist, wurde ja schon in den Kommentaren vorher gesagt).

    1. Martin sagt:

      Das rückt die Sache in ein anderes Licht, zum Glück. Denn sonst hätte ich mir echt Sorgen gemacht, was die zukünftigen Werbe-Themen angeht…

    2. Ben sagt:

      Nun frage ich mich aber: Wird nun das Image des Regisseurs zerstört oder das von Adidas? (Davon ausgehend, dass nicht jeder diese Info hat.)

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