Und wieder ist ein Land auf meiner Reise-Liste abgehakt. Diesmal ging es in die Hauptstadt Rumäniens: Bukarest. Eine wirklich tolle Stadt, die gerade durch ihre Gegensätze mein Herz beim Fotografieren höher schlagen ließ!

Zur Abwechslung hatten wir eine Übernachtung mit eingeplant und mit frühem Hin- und späten Rückflug fast 2 komplette Tage vor Ort, statt den üblichen Tagestrips. Für alle, die keinen Bock auf lange Texte haben, kommt zuerst der komplette Trip in Video-Form. Alle Aufnahmen habe ich mit dem Honor 9 gemacht.

Da das Smartphone leider keinen Bildstabilisator hat, habe ich in Final Cut Pro X nachgeholfen. Für den Preis von knapp 400€ kann man dann aber wirklich nicht meckern. Die 4K-Videos sehen schon ziemlich schnieke aus 🙂 – Das Honor 8, mit dem ich ja letztes Jahr in Athen war, konnte damals nur Full HD. Den Unterschied sieht man deutlich.

Bukarest – Tag 1

Wieder einmal viel zu früh ging es zum Flughafen Schönefeld. Nachdem es mit den Öffentlichen beim letzten Trip ab SXF (Kopenhagen) zeitlich zu knapp geworden war, ging es diesmal mit dem Auto bis zum Transferbus, der von U Rudow direkt bis zur Abflughalle fährt.

Noch schnell ein kleiner Snack im Le Marché (bäh… aber immer noch besser als Burger King), Getränke für den Flug besorgt und ab ging es zum Gate. Inzwischen hatte es draußen auch wieder zu nieseln begonnen und wir freuten uns entsprechend auf die Auszeit mit einer Wettervorhersage von 30°C.

Zwei Stunden später – dank Zeitumstellung (+1) also 10:25 – kamen wir am Henri Coandă (Otopeni) Flughafen an, gelangten ohne langes Warten durch die Passkontrolle und hatten sofort unseren Koffer wieder.

Bine bestand darauf den sooo viel günstigeren Bus statt eines Taxis zu nehmen, da die Strecke so oder so 45 Minuten dauern würde. Also Bargeld (die haben da Scheine aus Plastik!) abgehoben und ab zum Tickethäuschen. In der kurzen Warteschlange wurden wir gleich vom Vordermann auf englisch gefragt, wo wir hinwollten und mit dem Hinweis „Pro Person kostet das 10 Lei für Hin- und Rückfahrt, bezahlen Sie nicht mehr!“ wurden unsere Recherche-Ergebnisse von einem Rumänen bestätigt.

Am Schalter legten wir das Geld einfach hin, erhielten unsere beiden Busfahrkarten und konnten direkt in den Bus einsteigen. In 40 Minuten und voll klimatisiert fuhren wir bis zu der von uns ermittelten Haltestelle „Universitate“. Das letzte Stückchen bis zum Hotel ging es dann zu Fuß während wir die ersten Eindrücke von Bukarest sammeln konnten.

Was soll ich sagen! Ein Kontrastprogramm aus wunderschönen alten Gebäuden mit Pariser Charme und brutalistischen Plattenbauten aus den 70ern und 80ern präsentieren sich in Bukarest bei so ziemlich jedem Schritt. Dieser Kontrast entstand übrigens durch zwei Einflüsse: zum einen ein starkes Erdbeben im Jahr 1977 und zum anderen die Machenschaften von Ceaușescu. Wer mehr über die Hintergründe und die Architektur in Bukarest lesen möchte, wird hier (PDF) fündig. Neben diesen beiden Problemen leiden viele schöne, alte Bauten auch unter den Nachwehen des Kommunismus: „Aus diktatorischen Zeiten waren es die Menschen gewohnt, keinen Besitz zu haben und sich darum nicht über Dinge/Häuser kümmern zu müssen, da ja alles dem Staat gehörte.“ – Gerald Grüblinger

Check-in im Grand Hotel Continental Bukarest

Das Grand Hotel Continental ist ein 5-Sterne-Hotel der alten Schule. Das Ambiente und die Möbel vermitteln einem das Gefühl, dass die Wände wundervolle Geschichten aus vielen Jahren erzählen könnten. Trotzdem gibt es natürlich eine 1a Klimaanlage, moderne Badezimmer und schnelles WiFi. Das alles für einen Preis, für den man in Deutschland nur mit viel Glück ein 4-Sterne-Hotel bekommt 😉

Nach dem Check-In brauchten wir beide dringend Kaffee. Ziel unserer Koffein-Sucht war das Third Wave Coffeehouse „Origo“. Ein schattiger Tisch auf der ruhigen Straßenpromenade war rasch gefunden. Ein kurzer Blick auf die Nachbartische empfahl uns Limonade mit zu bestellen. Die Bedienung kam schnell und brachte direkt ein Gläschen Wasser für jeden und wies uns ebenfalls in fließendem Englisch auf die Besonderheiten in der Kaffeeauswahl hin. Funfakt: Wie sich herausstellte arbeitete unsere Bedienung bis vor ein paar Monaten noch in Prenzlauer Berg in einer hippen Rösterei. Die Welt ist so wunderbar freundlich, offen und überraschend klein in der Kaffee-Szene =)

Voller Energie ging es Richtung Mittagessen durch den Schatten spendenden Grādina Cismigiu.

Der nächste Halt sollte uns ins La Mara, einer kleinen Take-Out-Kantine innerhalb einer normalen Wohngegend, führen. Statt Döner oder Currywurst gibt es hier für den schmalen Taler rumänische Hausmannskost.

Auf dem Weg dorthin schweifte der Blick nach rechts und links und nahm all die unterschiedlichen Eindrücke auf. Plötzlich fiel mir dabei auf, dass ich ja im Dacia-Heimatland bin. Man sieht sie hier wirklich überall in allen Farben, Formen und Größen. Ich weiß, in Deutschland wird Dacia gerne belächelt, aber für die Leute in Rumänien sind die aktuellen Modelle mit Sicherheit ein Segen. Schaut man sich an, was auf den Straßen noch an alten Dacias und Ladas unterwegs ist, ist das ein ordentlicher Schritt nach vorne.

Alter Dacia
Neuer Dacia

Im La Mara angekommen bestellten wir der Einfachheit halber kurzerhand das Tagesgericht bestehend aus Kartoffelauflauf mit Hähnchenschnitzel und einer super leckeren Pilz-Dill-Sauce. Zum Nachtisch spendierte uns die Besitzerin freundlicherweise noch Apfel-Zimt-Papanasi (eine Art Topfenknödel). Sieht definitiv nicht geil aus, schmeckte aber super #ShittyFoodPorn 😜

Der anschließende Verdauungsspaziergang führte uns dann gemütlich die andere Seite der Calea Victoriei entlang zum Hotel zurück. Vorbei am Ateneul Român (Konzerthalle Athenäum), der Biblioteca Centralā, dem nationalen Kunstmuseum, an der Piata Revolutiei und der Biserica Cretulescu war die erste Sightseeing-Tour erledigt und wir gönnten uns einen kurzen Nachmittagsschlaf.

Nach dem Nickerchen ging es wieder raus in die Stadt. Unser Ziel war diesmal die Altstadt, in der es auch so etwas wie die Reeperbahn mit zig Bars, Pubs und Nachtclubs in einer Reihe gibt. Fotos habe ich dort keine gemacht, ihr findet aber ein paar Aufnahmen im Video oben 😉

Nachts in Bukarest

In der Party-Altstadt findet sich übrigens auch eine wunderschöne Buchhandlung mit einem guten Café in der obersten Etage: Cărturești Carusel

Cărturești Carusel Cărturești Carusel

Über Piata Unirii liefen wir zum Palatul Parlamentului. Das heißt wir schlenderten den 2 km langen Boulevard entlang und hüpften immer wieder auf die auf voller Länge mit zig Brunnen verzierte Mittelinsel, um frontal auf das Parlamentsgebäude schauen und dieses entsprechend mittig vor die Linse bekommen zu können. Bei diesem Gebäude handelt es sich übrigens um das schwerste Bauwerk der Erde. Der von Nicolae Ceaușescu in Auftrag gegebene, rund 3,3 Milliarden Euro teure Bau strotzt nur so vor Superlativen, die ihr allesamt hier nachlesen könnt.

Auf dem Rückweg ließen wir einfach mal die Vibes der Stadt auf uns wirken und kehrten für einen kleinen Mitternachtssnack bei einem Griechen in der Altstadt ein bevor wir dann erschöpft ins Bett fielen.

Bukarest – Tag 2

Ausgeschlafen und dank des leckeren Frühstücksbuffets im Hotel frisch gestärkt, ging es am zweiten Tag raus aus dem Altstadtviertel. Von der Piata Unirii fuhren wir mit der Metro M1 bis Grangasi. Ich sag euch: Metro kann die Stadt! Riesig lange und komfortabel breite, topmoderne Wagen. Zudem auch noch klimatisiert und mit LTE.

Der Ausstieg in Grangasi zeigte dann einen ganz anderen Blick auf Bukarest. Hier fanden sich keine Altbauten mehr und das Einkaufs-Zentrum am U-Bahnhof hätte genauso gut in Berlin stehen können.

Unser Ziel war allerdings der Lacul Morii (Stausee) mit einem Blick auf Plattenbauwohnungen in kommunistischer Superlative. Auf dem See war eine kleine Insel, die mal als Ausflugzsiel gedacht war, jetzt aber vor sich hingammelt.

Strahlender Sonnenschein und steigende Temperaturen um die 36 °C waren eine gelungene Abwechslung zum regnerischen Berlin. Zumindest anfangs. Nach 3 Stunden in der prallen Sonne – ohne den geringsten Schatten auf dem Weg rund um den See – reichte es aber auch.

Zurück ging es wieder mit der kühlen Metro. Eine große Limonade und dazu passend eine Kaffee-Spezialität später (wieder im Origo) ging es zum späten Mittagessen.

Das Ziel war das Traditionslokal Caru’ cu Bere. Hierbei handelt es sich um eine alte Bierhalle mit wunderschöner, rustikaler Einrichtung.

Auch hier offerierte die Karte die uns sehr gut schmeckende Orangade (frisch gepresster Orangensaft mit Naturhonig und wahlweise stillem oder Mineralwasser). Dazu gab es eine Grilplatte, mit lokalen Fleisch- und Wurst-Spezialitäten. Auch hier wieder kein Foodporn von der Optik her, aber unfassbar lecker:

Während eines kleinen Verdauungsspazierganges Richtung Hotel hatten wir uns dazu entschlossen uns ein Taxi zum Flughafen zu gönnen. Dieses ließen wir uns von der Rezeption rufen und innerhalb von 5 Minuten waren wir auch schon unterwegs Richtung Flughafen! Rund 30 Minuten Fahrzeit später waren wir auch schon da. Übrigens war das Taxi zufällig auch noch ein D A C I A (so wie im Grunde genommen jedes Taxi in Bukarest) \o/

Nach zwei Tagen mit günstigem Essen, waren die Preise am Flughafen erschreckend überteuert oder diplomatisch gesagt an die internationalen Flughafenpreise angeglichen. Wenn eine Tasse Kaffee fast so viel, wie die Taxifahrt kostet, dann stimmt da irgendwas nicht so ganz 😉

Auch der Rückflug verlief pünktlich und unproblematisch und wir waren um Mitternacht wieder im eigenen Bett in Berlin.

Fazit Bukarest

Ich habe Bukarest als Reiseziel ausgesucht, weil der Flug billig war und ich einen weiteren Haken auf meiner Mission, alle europäischen Hauptstädte mal besucht zu haben, machen konnte. Ich war positiv von der Stadt überrascht. Wie oben schon beschrieben ist Bukarest eine Mischung aus Pariser Altstadt und den schlimmsten Bausünden des Ostblocks. Das hat seinen ganz eigenen Charme. Mit einigen Start-Ups, den ersten Cafés und einer Party-Zeile, fühlt es sich ein wenig so an, als sei man in einer Version von Berlin kurz nach der Wende gemixt mit 2014 gelandet. Das klingt jetzt abwertend, ist aber so nicht gemeint. Es herrscht Aufbruchsstimmung und man erkennt Aufschwung.

Übrigens kamen wir mit englisch problemlos durch die Stadt 🙂

Bucharest

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Ich habe mehrfach irgendwelche Vorurteile gehört, wenn ich erzählt habe, dass ich in Bukarest war. Fakt ist, es handelt sich um eine ganz normale europäische Hauptstadt. Sicher, sauber, nette Menschen. Auch Nachts kann man gefahrlos durch die Gegend laufen.

Eine Reise lohnt sich auf jeden Fall und kostet vor allem nicht viel. Ich möchte jetzt auf jeden Fall mehr von Rumänien sehen.

Tipps und Locations für Bukarest:

Für alle, die nach meinem Blogpost auch gern mal hinreisen wollen: nehmt am Besten euren Reisepass mit, Rumänien ist nämlich nicht im Schengen-Raum! Dank EasyPASS spart man sich die Schlange beim Grenzbeamten und regelt das mit dem Scanner einfach selbst.

Habt außerdem immer Bargeld bei euch. Man kann zwar vielerorts mit Karte zahlen, aber Trinkgeld muss immer bar gegeben werden. Taxis nehmen auch keine Karte (Berlin calling…).

Wenn ihr euch ein Hotel sucht, haltet euch fern von der Altstadt (Old Town). Da kann man zwar prima feiern, aber findet definitiv keine Nachtruhe. Irgendwo in der Nähe der Calea Victoriei. Und falls der Lei locker sitzt: gönnt euch das Grand Hotel Continental. Ist wirklich schön da und für den Preis (150€ die Nacht) kann man sich mal ein oder zwei Nächte Luxus leisten.

Bucharest ❤️

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Ihr findet in Bukarest jede Menge hübsche Parks und könnt euch einfach durch die Stadt treiben lassen, es gibt an wirklich jeder Ecke etwas zu entdecken. Ein Besuch beim Palatul Parlamentului und der dorthin führenden Prachtstraße mit all den schönen Brunnen sollte ganz oben auf der Liste stehen.

Ach und natürlich müsst ihr Vlad III. Drăculea einen Besuch abstatten 😉

hdr

Das Coffeehouse „Origo“ und das Lokal Caru’ cu Bere sollten ebenfalls auf eurer Liste stehen.

Mein finaler Tipp: gönnt euch ein Taxi für die Fahrt vom Flughafen in die Stadt, kostet nicht mal 5 Euro.

Falls ihr mehr von Bukarest sehen wollt, schaut doch mal in mein Flickr-Album, dort habe ich alle Fotos (deutlich mehr als hier) hochgeladen, die ich mit dem Honor 9 vor Ort gemacht habe. 

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