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Erfahrungsbericht: Huawei P9

Ok ok, das Huawei P9 ist nicht mehr der „heiße Scheiß“. Ist immerhin schon seit März 2016 verfügbar und das P10 steht vermutlich schon in den Startlöchern. Das P9 gibt es aber nach wie vor bei einigen Netzbetreibern in der VVL und mit Neuverträgen. Außerdem liegt der Preis ohne Vertrag jetzt zwischen 400 und 450€. Außerdem wird gerade Android 7 von Huawei für das Smartphone ausgerollt.

Daher dachte ich mir, schreibe ich mal noch ein paar Zeilen hier im Blog zu dem Gerät, neben all den Tweets (von denen viele Herzchen enthielten), die ich zum P9 schon abgesetzt habe.

Design

Das Huawei P9 sieht meiner Meinung nach richtig klasse aus. Schmaler Displayrahmen rund um das helle und farbenfrohe 5,2″ große Full-HD-Display, schicker Alu-Unibody, einfach ein Hingucker. Außerdem ist es mit nur 6,95mm angenehm dünn und liegt dank der abgerundeten Kanten super in der Hand.

Außer dem Display finden sich auf der Vorderseite noch eine 8 Megapixel-Kamera (Blende f/2.4), ein Näherungssensor und der Lautsprecher.

Auf der Rückseite befinden sich die beiden Linsen der Leica-Dual-Camera, der zweifarbige LED-Blitz, der Laser-Autofokus und der rasend schnelle Fingerabdruck-Sensor. Die beiden Antennen befinden sich zum einen oben im weißen Bereich und zum anderen im schmalen Streifen am unteren Ende.

Links befindet sich nur der Einschub für die SIM-Karte und die Micro-SD-Karte. Leider gibt es das P9 in Deutschland nicht als Dual-Sim-Variante. Wer auf das Feature nicht verzichten kann, sollte zur Import-Variante greifen.

Rechts befinden sich die Lautstärkewippe und darunter der Power-Button. Was mir hier gut gefällt: der Power-Button hat eine geriffelte Oberfläche, mit der man diesen gut von der Lautstärkewippe unterscheiden kann.

Auf der Unterseite sind zu guter Letzt der USB-Typ-C-Anschluss, ein Mikrofon, ein Lautsprecher und der 3,5mm Klinke-Anschluss.

Alles in allem ist das P9 ein extrem hochwertiges Smartphone und erstklassig verarbeitet.

Performance

Der HiSilicon Kirin 955 Octacore-Prozessor (4 x 2.5 GHz A72+ 4 x 1.8 GHz A53) hat zu keiner Zeit während der Benutzung irgendwelche Schwächen gezeigt. Außer Pokémon Go und Angry Birds spiele ich allerdings auch keine Spiele. Wer gerne und viel zockt, sollte sich daher einfach dieses Video zum Thema anschauen:

Der Launcher und das Wechseln zwischen Apps geht jedenfalls schnell und fluffig von der Hand. Auch der Start von Apps geht flott.

Akkulaufzeit

Das P9 ist kein Akkuwunder. Der 3.000 mAh hält bei mir als Power-User nicht über den kompletten Tag. Wer sein Smartphone aber nicht mehr als sechs Stunden am Tag ohne Lademöglichkeit benutzt, sollte wirklich locker über den Tag kommen.

Die Leica Dual-Kamera

Für die, die nicht mit dem Konzept vertraut sind: Huawei hat in Zusammenarbeit mit Leica eine 12 Megapixel Dual-Kamera für das P9 entwickelt. Eine der beiden Kameras macht Farbfotos, die andere monochrome Fotos. Beide Kameras kombiniert können besser Tiefeninformationen erfassen. Was man davon hat, erkläre ich gleich noch.

Zunächst mal die Farbkamera: Die Kamera macht super Fotos. Ist aber nicht ganz auf dem Niveau von iPhone 7, Galaxy S7 oder LG G5. Speziell bei Nachtaufnahmen kommt sie schnell ins Straucheln. Hier macht sich leider auch das Fehlen eines Bildstabilisators bemerkbar.

Aber: was mir wirklich extrem gut gefallen hat sind die beiden ‚Filme‘ mit den Namen ‚Leuchtende Farben‘ und ‚Glatter Farbverlauf‘. Diese verpassen den Fotos den Leica-typischen Look und sorgen speziell bei Gegenlicht für phänomenal gutaussehende Fotos:

Diese Fotos in voller Auflösung, sowie weitere Fotos findet ihr in dieser Flickr-Galerie.

Der Look ist ein bisschen artsy und sicher nicht für jeden etwas, aber mir gefällt das wirklich sehr gut. Dafür mache ich auch gerne kleinere Abstriche bei der Bildqualität.

Weiter geht es mit der monochromen (schwarzweiß) Kamera: Ganz ehrlich? Vor dem P9 haben ich nur extreeeeeem selten mal Fotos in Schwarzweiß gemacht. Dann kam das P9 und ich habe plötzlich einen Draht zur Schwarzweißfotografie gefunden. Die monochromen Aufnahmen sind gestochen scharf und machen auch Nachts noch eine gute Figur. Sehr beeindruckend! Aber seht selbst:

Diese Fotos in voller Auflösung, sowie weitere Fotos findet ihr in dieser Flickr-Galerie.

An dieser Stelle sei auch noch der Pro-Modus erwähnt. Mit diesem kann man ISO, Verschlusszeit, Exposure, Fokus-Art (AF-C, AF-S und manueller Fokus) und den Weißabgleich manuell einstellen. Außerdem kann man hier zusätzlich RAW-Fotos im DNG-Format speichern. So kann man zum Beispiel schöne Langzeitbelichtungen machen, ohne sich auf die eingebaute ‚Lichtmalerei‘-Automatik verlassen zu müssen.

Die Sache mit der Tiefenschärfe: wie einleitend erwähnt, ermöglichen die beiden Kameras zusammen eine bessere Raumwahrnehmung. Macht man also im Modus ‚Große Blende‘ Fotos, kann man bei diesen nachträglich den Fokus-Punkt verändern oder aber den Grad der Blende.

Hier mal ein Beispiel. Beim Fotografieren hatte ich natürlich vorne den Drachen fokussiert. In der Galerie kann man nachträglich zum einen die Blende von f/0,95 bis f/16 verändern. Das ist natürlich größtenteils eine Softwarespielerei, die Blende der Kamera selbst hat schließlich „nur“ f/2,2.

f/0,95 sieht meiner Meinung nach einfach nur falsch aus. Es gelingt der Software an dieser Stelle auch nicht, die Kanten ordentlich zu finden, was man an der Drachenzunge und an seiner Nase sieht. f/4.0 sieht ganz ok aus. f/16 ist ganz hilfreich, falls man den Hintergrund dann doch nicht so unscharf haben möchte.

Zu guter Letzt noch das gleiche Bild, aber diesmal habe ich den Fokus in der Galerie nachtäglich auf den Hintergrund gesetzt.

IMHO: Nette Spielerei, aber im Alltag habe ich das Feature so gut wie nie benutzt.

Wovon ich allerdings bei der ganzen Kamera-Geschichte etwas enttäuscht war: Zum einen gibt es keinen Auto-HDR-Modus, man muss diesen also von Hand aktivieren oder deaktivieren. Leider taugt der HDR-Modus aber auch nicht viel, da man kaum einen Unterschied sieht. Ist jetzt aber nicht so dramatisch, denn wie oben schon geschrieben kommt das P9 extrem gut mit Gegenlicht klar.

Abschließend bleibt nur zu sagen: mit dem P9 zu fotografieren hat mir viel Spaß gemacht. Ich habe mich mal außerhalb meiner Komfortzone bewegt. Ich habe die Kamera knallhart ins Gegenlicht gehalten, Schwarzweiß-Fotos gemacht und generell mal den Blickwinkel etwas verändert.

Videos?

Videos kann das P9 natürlich auch aufnehmen. In Full-HD. Allerdings ist auch hier das Fehlen eines optischen Bildstabilisators ein echter Wermutstropfen. So richtig geil ist die Video-Qualität allerdings auch nicht. Das geht dieser Tage deutlich besser. Seht selbst:

https://www.youtube.com/watch?v=H4CRv0t91wY

Die Software: EMUI

Das ist ein Thema, bei dem sich die Geister ein wenig scheiden. Ich persönlich mag den Launcher von Huawei mit dem Namen Emotion UI (EMUI) zum Beispiel sehr. Ist alles ein wenig an iOS angelehnt und bringt meiner Meinung nach viele nützliche Features mit. Ich mag zum Beispiel, dass man mit einem Wisch nach unten auf dem Startbildschirm nach Apps suchen kann. Außerdem bin ich kein Fan vom App-Drawer.Diesen gibt es bei EMUI auf dem P9 standardmäßig auch nicht.

Wenn man EMUI so gar nicht mag, kann man ja einfach einen anderen Launcher installieren und das Thema ist vom Tisch 🙂

Fazit

Die Kamera erlaubt einem einen etwas anderen Blickwinkel auf Fotografie und kann durchaus dazu beitragen, dass man beim Fotografieren mal etwas herumprobiert. Foto sieht farbig doof aus? Einfach mal in Schwarz-Weiß probieren. Von der Kamera mal abgesehen ist das P9 auch sonst ein klasse Smartphone. Die Verarbeitung ist großartig und es liegt schön in der Hand. Für den Preis kann man mit dem Smartphone nicht viel falsch machen 🙂

Hat mir gut gefallen: 

❤️ Design, Verarbeitung und Haptik
❤️ Performance
❤️ Display
❤️ Ordentliche Bildqualität bei Farbfotos
❤️ Ausgezeichnete Schwarzweiß-Fotos
❤️ Durchdachte Kamera-UI
❤️ Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Hat mir nicht so gut gefallen: 

😩 Fehlendes OIS und nur befriedigende Bildqualität bei Nachtaufnahmen
😩 Video-Qualität nicht berauschend
😩 Akkulaufzeit könnte besser sein
😩 Mitgeliefertes Netzteil beherrscht schnelles Aufladen nicht

 

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