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Tablets: Zum Konsumieren von Content ein Traum, zum Produzieren von Content ein Graus

Ich habe ca. 25 Minuten für den vorherigen Blogpost gebraucht. Wenn ihr ihn euch mal anschaut, stellt ihr fest, dass der Post nur aus 35 Wörtern, einem Foto und einem Link besteht. Hätte ich den Artikel am Notebook erstellt, hätte ich vermutlich nur 2-3 Minuten gebraucht.

Ich habe in der Überschrift das Wort „produzieren“ verwendet. Das kann natürlich eine Menge bedeuten. In meinem Fall meine ich damit Content, also Blogposts. Bei allen Blogs, für die ich Content „produziere“, kommt WordPress zum Einsatz. Wer es kennt, wird mir sicher zustimmen, dass es eigentlich ein Kinderspiel ist, mit diesem System einen Blogpost zu erstellen. Überschrift, Text im Artikel, Foto/Video einfügen, 1-2 Links, Tags, Kategorie und ggf. noch eines der Sonderfelder befüllen. Fertig. Wie schon gesagt, mit einem Notebook / PC no big deal.

Ich habe immer mal wieder den Versuch unternommen, mit dem iPad 2 zu bloggen. Gerade unterwegs wäre es doch viel angenehmer, nur ein Tablet mitzunehmen, statt ein Notebook mit sich rumzuschleppen. Nach einigen nervenaufreibenden Versuchen habe ich mich aber schließlich von dem Gedanken verabschiedet, ein Tablet könnte bei mir das Notebook ersetzen.

Bloggen WordPress

Seit einiger Zeit habe ich wieder ein Honeycomb Tablet (LG V900 OPTIMUS Pad). Mit diesem lese ich, genau wie mit dem iPad, meine Feeds. Dabei habe ich dann auch das Katzenfoto aus dem oben erwähnten Blogpost gefunden. Also dachte ich mir, ich schaue mal, wie es mit dem Bloggen so unter Honeycomb aussieht. Die kurze Version: Genau so beschissen wie unter iOS.

Fakt ist, dass ich persönlich mit einem Tablet nicht effizient arbeiten kann. Dafür gibt es meiner Meinung nach mehrere Gründe:

Die WordPress App ist sowohl unter iOS als auch unter Android für meine Zwecke unbrauchbar.

Wordpress iOS

Da oben seht ihr schon mal mein erstes, großes Problem. Fotos kann man mit der iOS-App nur über oder unter dem Inhalt einfügen. In der Android-App hat man diese Option nicht mal. Dort landen die Bilder immer über dem Text. Bei einem Artikel, mit nur einem Foto mag das ok sein. Aber was ist mit einem Post, wie diesem hier? Mit mehreren Fotos, an verschiedenen Stellen?

Es gibt zwei Workarounds: Erste Variante: Die Fotos unten einfügen, dann HTML-Code schnappen und dann an die entsprechende Stelle kopieren.  In der Android App geht das aber nicht direkt. Man muss den Artikel erst als Entwurf hochladen, den Artikel wieder zum Bearbeiten öffnen und hat dann erst den HTML-Code für das Bild.

Zweite Variante: Artikel fertig schreiben. Fotos hochladen, WordPress Backend im Browser öffnen und dann die Fotos aus der Galerie einfügen (Uploads sind nicht direkt im Admin mit dem iPad Safari möglich). Mit dem iPad klappt dieser Trick ganz gut, mit dem Android (Honeycomb) Browser wird diese Variante aber zu einem Geduldsspiel.

Egal welche Lösung man nimmt, sie kostet Zeit und ist in jedem Fall fummelig.

Das nächste Problem ist eines, das vermutlich nicht jeden betrifft. Unter dem Textfeld, gibt es zusätzliche Einstellungen, die von Plugins oder dem Theme kommen. In meinem Fall gibt es eines, in dem ich das Vorschaubild eines Artikels für die Startseite auswähle und noch eines, in dem ich das Bild für Facebook auswähle. Einige andere Blogger werden dort mit Sicherheit Einstellungen und zusätzliche Felder von SEO- oder Adsense-Plugins haben (das war nicht böse oder abwertend gemeint, nur eine Feststellung).

Wordpress backend

Weiterhin kann man natürlich in der App auch Sachen wie Flickr oder Picasa Galerien (durch Plugins) nicht nutzen.

Ein weiteres Problem: Man kann die Dateinamen von Fotos nicht ändern. Weiterhin kann man keinen Alt-Text und auch keine Bildunterschrift eingeben. Das ist nicht nur aus SEO-Sicht ärgerlich, sondern auch von der Usability her nicht so dolle.

Auch zum Thema SEO: Man kann zwar Text verlinken (einfach http:// tippen), aber dem Link auch keinen Alt-Text hinzufügen. Achja, dass ein Link sich in einem neuen Fenster öffnen soll, kann man ebenfalls nicht einstellen.

Im Honeycomb-Browser ist der WordPress Editor quälend langsam

Den Schritt mit dem Hochladen von Fotos könnte man sich unter Android zwar theoretisch sparen, denn dort geht der Bilder-Upload direkt im Admin sowohl mit dem Flash- als auch mit dem klassischen Uploader. Allerdings ist der Vorgang mit dem Android-Webkit-Browser unendlich langsam, zäh und teilweise von etlichen Darstellungsfehlern begleitet. Kurz: nervig und nicht empfehlenswert. Weiterhin ist auch das Tippen des Textes selbst im Editor keine große Freude. Ich habe dazu ein kurzes Video gemacht:

WordPress Editor im Honeycomb Browser

2x Klicken zum Abspielen. Datenschutz und so.

Letzten Endes lief es also darauf hinaus, dass ich den Text in der WordPress App geschrieben und Fotos hochgeladen habe. Dann ging es in den Browser um dort die finale Formatierung und das ganze Drumherum zu erledigen. Hier schlägt sich, wie bereits erwähnt, das iPad deutlich besser, als das OPTIMUS Pad.

Unter iOS gibt es weitere Timekiller beim Bloggen

Wie oben bereits erwähnt, lese ich Feeds zu 90% auf dem Tablet. River of News unter iOS bzw. die Google Reader App unter Android machen richtig Spaß.

Findet man nun einen Artikel mit einem coolen Video, dass man bloggen möchte, steht man vor einem großem Problem, dass eigentlich keines sein müsste. Ich verwende hier im Blog das Plugin Smart YouTube. Dieses erlaubt es mir, ein Video einzubinden, in dem ich die YouTube URL im Editor einfüge und http:// in http:// ändere. Easy as pie.

ABER. Kommt mal auf dem iPad an die Video URL ran. Die einzige Möglichkeit, die ich gefunden habe: Das Video abspielen, dann auf das YouTube Logo klicken. Man kommt dann in die YouTube App. Dort auf Video weiterleiten klicken. Es öffnet sich dann eine E-Mail, in der der Link enthalten ist. Link kopieren und zurück zum Editor. -> Zeitkiller.
Immerhin das ist unter Android deutlich einfacher, da man in der YouTube App im Kontext-Menü die URL kopieren kann.

Wie man unter iOS an den Embed-Code rankommt, ohne einen Browser verwenden zu müssen, bei dem man den User Agent verändern kann, habe ich bis heute nicht rausbekommen.

Ein Foto einfach mal so verkleinern ist auch nicht. Unter Android jage ich das Bild direkt aus der Galerie einmal fix durch die App Image Shrink und ZACK habe ich die richtige Größe. Auf dem iPad muss ich dafür erst Photoshop oder Photopad öffnen, das Bild raussuchen, in den passen Einstellungsdialog gehen und so weiter.

Kurz um: Auf dem iPad ist der Workflow beim Bloggen zwar etwas schlechter als unter Honeycomb, dafür ist auf dem iPad (auch auf dem 1) aber andererseits das WordPress Backend nicht so quälend lahm und buggy.

Klar, man könnte einige der von mir beschriebenen „Probleme“ lösen, in dem man einfach direkt im HTML-Editor arbeitet. Aber mit den Tastaturen von iOS und Android wird auch das zur Qual, da Dinge wie < > “ oder / teilweise nur über die zweite oder dritte Ebene der Tastatur eingebaut werden können. Das kostet alles Zeit.

Wordpress bloggen iOS iPad Android Honeycomb

tl;dr: Bloggen mit Tablet, egal ob Android oder iOS, macht mir zum einen keinen Spaß und zum anderen ist es umständlich. Ich werde also weiterhin mit einem Notebook das Land bereisen.

So viel also von mir. Wie sieht es bei euch aus, bloggt ihr mit eurem Tablet? Stimmt ihr mir zu, oder seht ihr das anders? Gibt es vielleicht sogar eine App für iOS und Android, die all meine Probleme lösen kann? Vielleicht auch ein WordPress Plugin, um das Backend zu verschlanken? 

Ich freue mich auf eure Kommentare und Tipps.

32 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Peter von Frosta sagt:

    Etwas OffTopic, aber ist das Display des LG V900 einfach nur weniger Hell oder auch noch irgendwie farbstichig? Im Vergleich zum iPad wird es wenig angenehm zu lesen.

    1. Gilly sagt:

      Sind beide auf voller Helligkeit. Farbstichig sind beide. Das iPad geht ins rötliche, das OPTIMUS Pad ins rötliche. Also halt warme und kalte Farben. Gerade auf weißen Flächen sieht man da natürlich deutliche Unterschiede.

  2. WIlly sagt:

    Hey Gilly,
    muss ich dir voll und ganz zustimmen. Ich habs am PlayBook ein paar Mal versucht und obwohl das Backend dort ganz ok läuft ist es trotzdem einfach zu langsam. Die WordPress App von WebOS soll allerdings ziemlich klasse sein soweit ich das gesehen, gehört habe.

  3. Marc sagt:

    Ich stimme mal vollkommen dem Geschreibsel zu… Mal schnell ein Foto unter iOS bloggen geht noch gerade so – alles andere ist ein Krampf.
    Habe schon überlegt mir eine BT-Tastatur zu holen… aber wenn ich Tablet + Tastatur rumschleppe, dann kann ich auch direkt ein Notebook nehmen!

  4. Perun sagt:

    Ich (persönlich) habe mich von der Illusion von mobilen Arbeiten schon seit langem verabschiedet. Ich habe mehrmals versucht mit meinem Netbook (10″) zu arbeiten und für mich persönlich war das eine Qual: Tasten zu klein, auf dem Bildschirm zu wenig Platz.

    Versuche mal damit ernsthaft im Code-Editor oder in Photoshop zu arbeiten oder in Firebug die Website zu debuggen. E-Mails beantworten und „konsumieren“ klappt gut. Aber auch bei bloggen komme ich nicht wirklich weit, da ich viel mit Code-Beispielen arbeite und größere Bilder bearbeite.

    Das kleinste Format womit ich noch gut arbeiten konnte waren die alten 15,1″ Laptops (1280×800 Pixel), aber damit ist man nun wirklich nicht wirklich mobil … deswegen hat man sie auch in schlepptop umbenannt.

    1. Gilly sagt:

      Genau deswegen habe ich mich langem hin und her für das MacBook Air 13″ entschieden. Gute Tastatur, 1440 x 900, 1,35 kg, gute Verarbeitung und vor allem ein super Akku.

      Windows 7 und Ubuntu laufen auch ganz hervorragend, falls man Mac OS X nicht mag 😉

  5. Ich habe eine Zeit lang versucht, auf einem 7 Zoll Android-Tablet zu bloggen und kann Deine Erfahrungen bestätigen. Aus der WP-App heraus schreiben ging noch gerade so, Formatieren war dagegen unmöglich. Ich habe es dann aber aufgegeben und habe inzwischen immer mein Netbook dabei – ist auch nicht viel schwerer und größer als ein Tablet (Asus X101).

  6. MacSnider sagt:

    Ist zwar etwas her das ich ein iPad hatte aber ich kann mich erinnern dass das Bloggen auf dem iPad mit der WP-App nicht wirklich angenehm war, irgendwas fehlte immer und alles fühlte sich „komisch“ an.

  7. Angi sagt:

    Du sprichst mir aus der Seele *g* Ich finde die WP iPad App auch ziemlich unbrauchbar. Da fehlt einfach so viel aus dem Dashboard. Artikel mit Bildern schreibe ich meistens auf dem iPad vor und füge die Bilder dann vom PC aus ein. Es ist einfach nervig. Und mit dem HTML Editor im Backend zu arbeiten ist auch nicht wirklich die Lösung, weil das scrollen im Textfeld doch ziemlich mühsam ist. Aber wenigstens kann man mit WP für iOS seit dem letzten Update endlich besser Links etc. einfügen, dank den neuen Buttons. Vielleicht bringen die nächsten Updates ja noch mehr Verbesserungen 🙂

  8. Jens sagt:

    Also auf dem iPad (in Zusammenarbeit mit einer optionalen externen Tastatur) kann man meiner Meinung nach recht gut arbeiten. Der Workflow ist wirklich nicht toll und ich verwende nicht die normale WordPress-App sondern ggf. Blogsy aber noch viel mehr das eigentliche Backend. Da sind schon einige größere Artikel in relativ angemessener Zeit entstanden. Natürlich ist das nicht so komfortabel wie an einem „richtigen“ Rechner, aber ich denke es reicht für diese Zwecke absolut aus.

  9. Fred sagt:

    Ich find’s auch schrecklich mit’m iPad zu bloggen – geht wirklich nur Feeds lesen und dann ab an den Rechner. Aber Blogsy wurde hier ja jetzt schon 2 mal erwähnt, das werde ich mal ausprobieren =)

  10. DanielB sagt:

    Genau aus diesem Grund habe ich mich dazu entschieden, ein Netbook zu kaufen und unterwegs zu nutzen. Zwar nicht ganz so handlich, aber ich kann damit doch wesentlich bequemer schreiben…

  11. Fredi sagt:

    ich stimme dir zu dass man mit tablet-computern nicht effizient arbeiten kann, aber dafür sind sie ja auch nicht da. ich finde sie sind eher reine konsum-geräte, jedoch dass es auch möglich ist im „notfall“ was zu produzieren ist doch toll 😉
    wer mobil produzieren will – ich empfehle ein macbook air in der kleinsten ausgabe 😉

  12. Rudeboy sagt:

    Also ich kann dir nur beipflichten. Ich habe mir ein HTC Flyer gekauft, aber bei mir war von vorherein klar: nur zum surfen, lesen und makieren der PDFs (per Stylus). Chatten oder Texte schreiben ist auf dem Ding nicht. Hatte ich zum Glück auch nie vor. Es ist quasi ein aufgemotzter Ebookereader…

  13. LOfter sagt:

    Da bin ich schon die ganze Zeit kurz davor mir so ein Ding zuzulegen um beim bloggen mobiler zu sein und dann lese ich sowas. Da lernt man sein Netbook doch direkt wieder zu schätzen :D.

    Btw: Welches Plugin ist das denn, mit dem du die Bilder für Facebook festlegst?

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