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Instawalk auf der Scandlines Hybrid Fähre ‚Deutschland‘

Ich war am Samstag auf einem Instawalk der besonderen Art. Die Reederei Scandlines hat auf die Hybrid Fähre ‚Deutschland‘ eingeladen. Die Route von Puttgarden 🇩🇪 nach Rødby 🇩🇰 wird alle 30 Minuten in der Hauptsaison und alle 40 Minuten in der Nebensaison bedient. Die Überfahrt auf der ‚Vogelfluglinie‘ dauert rund 45 Minuten.

Noch ein paar Zahlen gefällig? Die 1998 durch Fusion der beiden größten nationalen Fährgesellschaften Deutschlands und Dänemarks entstandene Scandlines hat letztes Jahr mit 13 Fähren auf drei Routen rund 90.000 Fahrten absolviert und transportierte dabei 15 Millionen Passagiere, 3.1 Mio PKWs, 1.1 Mio Frachteinheiten sowie 56.000 Busse.

Ehe ich euch gleich ein wenig zum Thema Umweltschutz bei Scandlines erzähle, hier erstmal mein Video vom Tag:

Wer mir auf Twitter folgt hat sicher mitbekommen, dass ich kein großer Fan von Fähren und Kreuzfahrtschiffen bin, weil viele – meiner Meinung nach – nicht genug beim Thema Umweltschutz unternehmen. Hätte Scandlines in der Einladung nicht „Hybrid Fähre“ erwähnt, hätte ich die Einladung vermutlich auch gar nicht angenommen.

Hier mal ein Blick in den Maschinenraum der Deutschland:

Auf dem Bild seht ihr einen von vier Dieselmotoren. Ganz oldschool. Höllisch laut und furchtbar heiß.

Bei der Umrüstung 2014 auf die Hybrid-Technologie flog einer von ursprünglich fünf Motoren raus und wurde durch eine Ansammlung von Akkupacks ersetzt. Da diese natürlich nicht optimal in der Hitze des Maschinenraums funktionieren, befinden sie sich in großen, gekühlten Schränken. Super angenehm, wenn man eben noch neben dem heißen Diesel steht und dann den kühlen Akkuraum betritt 😅.

Die Akkus haben zusammen eine Leistung von 1.9 MWh, was in etwa 400 Hybridautos entspricht. Nun machen die Akkus alleine natürlich noch keinen großen Unterschied, wenn da noch vier Diesel wummern. Grundsätzlich wird aber der Effizienz-Grad der Motoren erhöht, weil diese mit gleichmäßigen Drehzahlen laufen und die überschüssige Energie in Batterien speichern, wenn diese gerade nicht benötigt wird. So werden laut Scandlines bis zu 15 % der CO2-Emissionen eingespart. Man sagte uns auch, dass das langfristige Ziel sei, die Fähren komplett im Akkubetrieb fahren zu lassen. Es fehlt im Moment einzig und allein an der passenden Technik, die große Menge an Akkus in den 15-20 Minuten, in denen die Fähren an Land entladen und beladen werden, aufzuladen. Der Strom soll dann zu großen Teilen aus Windkraftanlagen stammen.

Zurück in die Gegenwart. Im Moment sind die Dieselmotoren noch unverzichtbar, aber man tut mit einem Abgaswäscher was man kann, um die Abgase so gut wie möglich zu reinigen. Mit diesem werden mindestens 90% Schwefel und Feinstaub aus den Schiffsemissionen gewaschen. Das entstehende Schmutzwasser wird dann an Land in einer nachhaltigen Aufbereitungsanlage für Umweltabfälle entsorgt. Sieht im Detail so hier aus:

An Bord gibt es natürlich auch eine Werkstatt, in die wir auch einen kurzen Blick werfen konnten.

Außerdem wurden uns einige technische Details des Antriebs und des Abgaswäschers vom Technischen Offizier erklärt. Das jetzt hier alles wiederzugeben würde den Rahmen sprengen 🙈. Mehr Infos und technische Details zur Deutschland findet ihr in der Wikipedia.

Wir durften während des Instawalks übrigens auch auf beide Brücken. Zwei Brücken? Die Deutschland ist eine Doppelendfähre, das heißt Bug und Heck sind symmetrisch gebaut. Dies erspart das Wenden und hat die Fahrzeit auf der Vogefluglinie um 25 Prozent auf 45 Minuten verkürzt.  Jedenfalls war es super spannend, dem Kapitän und der ersten Nautischen Offizierin bei der Arbeit zuzuschauen und ein paar Fragen zu stellen.

Verpflegung an Bord

Nach rund 2 Stunden Seeluft (wir sind die Strecke 4x gefahren), war es an der Zeit für eine Mahlzeit. Das Bordrestaurant bietet – Kantinen und Buffet-Style – sehr leckeres Essen an. Ich habe mich da einmal quer durchgefressen und fand das alles ziemlich gut.

Nach dem Essen ging es dann daran, Smørrebrød zu machen, welches man auch an Bord bestellen kann. Wichtige Faustregel für Smørrebrød: das Brot darf nicht mehr zu sehen sein 🤣.

Fähre sorgt für ein Stück Entspannung auf der Reise

Wer mit dem Auto nach Skandinavien fährt, kann sich auf der Fährfahrt eine ordentliche Verschnaufpause und etwas Entschleunigung gönnen. Die Atmosphäre an Bord ist ziemlich gechillt, es gibt allerhand Annehmlichkeiten wie das oben erwähnte Bord-Restaurant, eine kleine Starbucks-Filiale, einen Bord-Shop und sogar einen kleinen Bereich mit Spielautomaten und Arcade-Spielen.

Was aber noch viel wichtiger ist: es gibt einen wundervollen Ausblick auf das Meer ❤.

Zum Schluss noch zwei Takte zum Fährhafen Puttgarden. Da geht – außer einem riesigen Shop für Schnaps und zwei Imbisswagen – absolut gar nichts. Kein Strand, kein Entertainment, kein gar nichts. Und dennoch:

„Der Hafen Puttgarden ist Deutschlands wichtigster und betriebsamster Fährhafen mit über 6 Millionen Fahrgästen pro Jahr.“

Immerhin kann man da schön Fährschiffe schauen 😇

Abschließend möchte ich mich herzlich bei Scandlines für die Einladung bedanken. Der Blick hinter die Kulissen war wirklich super spannend!

//Disclaimer: Scandlines hat meine Reisekosten und die Verpflegung an Bord bezahlt.//