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Der Abbiege-Assistent von Mercedes-Benz lenkt Aufmerksamkeit auf Radfahrer

Ich war gestern zu Gast bei Mercedes-Benz in Berlin. Dort hat man mit einem Actros-LKW und einem Econic-Müllsammelfahrzeug den radargestützten Abbiege-Assistenten vorgestellt. Das System ist bereits seit 2016 in Actros-Fahrzeugen im Einsatz. 2017 war bereits jeder vierte in Deutschland ausgelieferte Mercedes-Lkw damit ausgerüstet. Das System wird für immer mehr Fahrzeuge zur Verfügung gestellt, so ist dieses nun auch für Arocs-Baufahrzeuge, Econic-Fahrzeuge und viele weitere bestellbar.

Ich habe mich bei der Demonstration gestern voll und ganz auf das Econic-Müllsammelfahrzeug konzentriert. In meinem kurzen Video könnt ihr euch ansehen, wie das Ganze überhaupt funktioniert:

Nur zur Sicherheit, falls das im Video nicht richtig deutlich wurde: das Fahrzeug bremst nicht selbständig, das muss der Fahrer selbst übernehmen. Es geht hier wirklich nur darum, die Aufmerksamkeit des Fahrers auf eine mögliche Gefahrensituation zu lenken.

Mehr Infos zum Abbiege-Assistenten und dem Active Brake Assist 4 mit Fußgängererkennung bekommt ihr hier. Das System kostet beim Econic-Müllsammelfahrzeug rund 5.000€ Brutto und kommt in Verbindung mit einem Kamera-System. Um den Preis in Relation zu setzen: das im Video gezeigte Fahrzeug kostet rund 200.000€ Brutto. Laut Mercedes-Benz setzt zum Beispiel auch die BSR (Berliner Stadtreinigung) auf Econic-Fahrzeuge, aber leider ohne den Abbiege-Assistenten.

Jetzt kann ich aus wirtschaftlichen Gründen schon verstehen, dass man sich als Unternehmen gegen den Aufpreis für den Abbiege-Assistenten entscheidet. Aber letzten Endes ist es in der Branche wohl oft so, dass viele sagen „wenn es Pflicht ist, werden wir es ja wohl nehmen müssen. Bis dahin müssen wir auf’s Geld schauen“.

Tolle Technik – Aber auch Mitdenken hilft

Ob Abbiege-Asissisten zur Pflicht werden oder nicht, steht in den Sternen. Fakt ist aber, dass ich tatsächlich ziemlich überrascht war, wie unfassbar klein Radfahrer im Außenspiegel dargestellt werden und wie schnell man diese durchaus auch übersehen kann, wenn man den Spiegel gecheckt hat, noch mal nach vorne schaut, ob nicht ein Radfahrer aus der falschen Richtung kommt und dann den Abbiege-Vorgang einleitet (oder anderweitig abgelenkt wird).

Radfahrer im Außenspiegel (2x Zoom und Sitzposition ein Stück näher am Spiegel als Fahrer selbst).

Ich will damit jetzt LKW-Fahrer auch nicht aus ihrer Pflicht nehmen, immer alles im Auge haben zu müssen. Sondern würde mir eher von Radfahrern wünschen, dass diese verinnerlichen, dass da am Steuer ein Mensch sitzt, der einen Fehler machen kann UND dass der Fahrer nur einen winzigen Moment Zeit hat, Radfahrer neben sich wahr zu nehmen. Je schneller man sich dem abbiegenden LKW an einer Kreuzung nähert, umso kürzer ist der Moment, den der Fahrer also Zeit hat, den Radfahrer zu sehen.

Ich würde mir folglich wünschen, dass mehr Menschen mal die Chance haben, sich in den Führerstand eines LKWs zu setzen und dadurch ein Verständnis dafür bekommen, wie viel bzw. wenig ein LKW-Fahrer von ihnen sieht. Das würde vielleicht verhindern, dass Radfahrer mit Vollgas auf die Kreuzung zuballern, weil sie grün haben. „Der Fahrer wird mich schon sehen“ ist ein gefährlicher Gedanke und könnte vor allem der letzte Gedanke sein…

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