Social / Blogosphäre

Liebe Blogger, liebe Journalisten: Chillt mal. Herzlichst, Gilly.

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Es ist wieder soweit. Ein klassisches Medium schwingt den „Blogs sind kacke und unseriös, die wollen nur Klicks ey! Lest besser Zeitungen (oder unseren coolen Online-Auftritt)“-Hammer. Wie reagieren die Blogger? Die laufen mit Fackeln, Mistgabeln und „Qualitätsjournalismus my ass“-Transparenten durch die Gegend und fangen an sich zu rechtfertigen. Aber muss das denn sein?

Vor ein paar Jahren hätte ich mir mit Sicherheit eine Mistgabel geschnappt und mich dem wütenden Blogger-Mob angeschlossen. Geht ja nicht, dass man MICH und meine Profession angreift.

Heute ist mir das aber alles so ziemlich scheißegal. Eigentlich wollte ich auch gar nichts dazu schreiben, der Zug ist eigentlich eh thematisch schon weitergefahren, aber nun mache ich es einfach trotzdem noch. Weil ich es kann und aus Gründen.

Der Punkt ist der: Ich persönlich bin mittlerweile für mich zu der Erkenntnis gekommen, dass ich im Alltag sowohl Blogs als auch klassische Medien brauche. Wenn ich wissen will, was in der Welt passiert, dann schaue ich bei der Süddeutschen, dem Guardian oder anderen Websites vorbei, die irgendwie aus einem Print-Medium hervorgegangen sind. Und ab und zu, in Flugzeugen oder Zügen, stecke ich meine Nase sogar in eine Zeitung oder ein Magazin auf Totholz.

Mir ist ohnehin noch kein Blog untergekommen, wo ich sagen würde „Oha, das hier kann Zeitungen ersetzen“. Die einzige Ausnahme für mich in Sachen ‚tägliche News‘ stellt Netzpolitik dar, aber die machen im Grunde genommen etwas, was ich so in der Form ohnehin bei keinem klassischen Medium finde.

Blogs wiederum sind für mich eine Quelle der Unterhaltung und der Ablenkung. Lustige GIFs bei Ronny, wirre Netzfundstücke bei René. Dazu noch ein paar Blogs, die sich bestimmten Themen widmen (KATZEN!!!) und ein paar private Blogs.

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Ach und außerdem konsumiere ich VICE (US-Only). Ich schaue mir viele VICE News-Videos an und lese auch etliche Artikel auf VICE, Motherboard und co. Ich bin nämlich schon groß und kann aussortieren was mich nicht interessiert (Dinge wie: „Ich habe mir Hanf in die Muschi gerieben und war auf einer Beerdigung“). Zwischen teilweise echt dämlichen Posts ist da nämlich auch einiges an Gold. Natürlich muss man das alles mit etwas Vorsicht genießen (guter Text dazu bei den Blogrebellen), aber mit etwas gesundem Menschenverstand kann man sich da schon einiges an interessanten Infos rausziehen.

Das will ich alles nicht mehr missen.

Mein persönliches Fazit daher zu dem Thema: 

Die Journalisten sollten aufhören, irgendwelchen Dummfug wie „zu ironisch“ oder „Blogs sind tot“ über Blogs ins Netz zu schreiben. Ich bin nicht der Meinung, das Blogger bei Zeitungen für Job- oder Klickverlusten sorgen. Spart euch den Atem und recherchiert lieber eine geile Story, die wir dann verlinken und sharen können. Blogger machen so etwas nämlich. Und wenn die Herren Online-Journalisten mal ehrlich sind: Ihr geht doch auch voll steil auf Klicks und Shares.

Und die Blogger? Ebenfalls einen Gang zurückschalten. Klassische Medien sind wichtig und sollten nicht aussterben. Naja zumindest nicht alle. Also auch mal den Adblocker ausmachen, vielleicht sogar mal eine Zeitung kaufen und vor allem weniger rumpöbeln (ja, daran muss ich selbst auch noch arbeiten).

Ich denke, im Netz ist genug Platz für alle. Da muss man sich nicht gegenseitig an die Gurgel gehen. Einfach mal jeden machen lassen was er will.

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//Fotos: CC by Sindre Sorhus, Roger H. Goun, R Kurtz//

11 Kommentare

  1. Ich erlaube mir mal, für Kai zu antworten:

    ich würde dort nicht unterschreiben, wo die Zeitungen ihren eigenen
    Ansprüchen nicht genügen. Weil wir die großen Medien tatsächlich brauchen. Ihre Redaktionen, ihren journalistischen Anspruch, das schiere Geld, das nötig ist, um gut zu recherchieren. Und genau deswegen muss ihnen ab und zu jemand deutlich und mit Nachdruck, wie es Ronny getan hat die Meinung geigen, wenn sie ihren Job nicht machen. (Weil wir sie sonst langfristig verlieren werden und das wäre nicht gut.)

    Umgekehrt sollen die uns ruhig immer wieder den Spiegel vorhalten, das ist genauso wichtig.

  2. Pingback: @wihelde
  3. Pingback: @JensHerforth
  4. Man sollte sterbenden Riesen doch bitte ein wenig Rücksicht angedeihen lassen. Und ihnen nicht noch zwischen die Beine treten 🙂
    Musik- Zeitungs- und Buchverlage leiden alle aber gehen unterschiedlich schlau damit um. Man sehe die Buchverleger, die Agenturen damit beauftragt haben, miese Rezensionen bei Selbstverlegern zu schreiben. Oder Spiegel online als erfolgreiche Seite. (Geschmackssache aber der Erfolg ist unbestritten)

    Pleite gehen tut jedem weh. Schuld sind natürlich wir Blogger. Aber ist das nicht sogar ein Kompliment?

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