Der Herr Basic, wir erinnern uns, er war ja früher mal so etwas wie ein Web2.0 Prophet, bis er sich sein Blog verkauft hat, bloggt ja nun wieder aktiv. Im Grunde genommen kann man seine aktuelle Blog-Phase als „Same shit different place“ bezeichnen.

Ok, back to Topic. Der Herr Basic hat am 20.08. einen Artikel rausgehauen: „Verlinkungsdichte deutscher Top-Blogs weiter im Sinkflug„.

Als würde die Überschrift nicht schon reichen, setzt er noch einen drauf:

„Die Blogger verlinken schon längst nicht mehr von Blog-zu-Blog.“

Zwischen den Zeilen lese ich da: „BLOGS SIND TOT“. Aaaah oooooh nein! Aber Moment, sind Blogs nicht schon seit 2007 tot? Schwamm drüber.

Worauf ich hinaus will: Diese Aussage ist Bullshit. Denn sie stützt sich einzig und allein auf die Beobachtung der Incoming Links aus den Deutschen Blogcharts. Wie kann man sich denn auf einen einzigen Wert verlassen!?

Oh und noch was: Ich glaube der Herr Basic, hat den Blick für die Blogosphäre verloren, die nicht nur aus Netzpolitik, Spreeblick und Stefan Niggemeier besteht, sondern auch aus Strickblogs, Funblogs, Katzenblogs und vielem mehr.

Ich gebe euch jetzt mal zwei Theorien an die Hand, mit denen ihr dann machen könnt was ihr wollt.

1. Blog Verlinkungen werden nicht richtig gemessen

Wer mit der Berechnung der deutschen Blogcharts nicht vertraut ist, der schaue mal hier.

Wir wissen nun also, dass die Daten auf der Blogsuchmaschine Icerocket basieren, und diese (nach Meinung des Machers) rund 60-70% der tatsächlichen Verlinkung aufgreifen. Aha.

Schauen wir mal auf mein kleines Katzenblog, welches dort auch vertreten ist:

Gilly Blog

Ich habe also in den letzten 6 Monaten 174 eingehende Links erhalten. Hmmm.

Ich habe gerade mit Hilfe von Tobi vom GoogleWatchBlog und @Calaelen mal die eingehenden Track- und Pingbacks der letzten 6 Monate aus der DB ausgelesen. Dabei kam die Zahl 448 heraus. Man bedenke aber: Da sind noch nicht mal Backlinks von Blogger, Posterous, Tumblr und all den anderen Blog-Diensten, die keine Track-Pingbacks senden, mit eingerechnet. Außerdem wissen wir ja auch, wie zuverlässig Pingbacks bei WordPress sind 😉

Grob überschlagen, komme ich also auf 600-700 Links. Wie gesagt, dies hier ist ein winzig kleines Katzenblog. Ich will gar nicht wissen, was für Ungereimtheiten sich bei Spreeblick oder den anderen „Alphablogs“ ergeben, wenn man das mal nachrechnet.

Ich glaube ganz einfach, dass diese ganzen Blog-Such-Dienste hoffnungslos damit überfordert sind, die eingehenden Links ordentlich zu erfassen. Gleiches gilt übrigens auch für die Google Blog Suche. Dort erscheint nur ein kleiner Bruchteil der tatsächlichen Verlinkungen hierher.

Speziell kleinere Blogs, die 40-50 Feedleser haben und vermutlich nur ein wenige eingehende Links haben, tauchen in der Regel gar nicht auf. Für mich völlig unverständlich.

2. Es gibt kaum noch Gründe, die großen Blogs zu verlinken

Die Überschrift ist jetzt etwas gewagt und bezieht sich natürlich nur auf mich persönlich.

Ich bin eben mal die Top 10 der Blogcharts durchgegangen und habe mir dort mal jeweils die letzten 10 Artikel angesehen. Ich habe da nirgends etwas gefunden, dass eine Verlinkung wert wäre.

Warum? Entweder ich kenne die Sachen aus den ursprünglichen Quellen wie der US-Blogosphäre, Reddit, Digg etc., oder der Content ist für mich (und daher meiner Meinung nach für euch) einfach nicht interessant.

Hinzu kommt natürlich, dass es hier im Blog bestimmt schon 20 Links zu Spreeblick und 50 Links zu Nerdcore gibt. Irgendwann wird man müde, nach oben zu verlinken, wenn wenig bis gar nichts zurückkommt. Vielleicht stolpern da ja einige über die Ignoranz der „kleinen Blogosphäre“?

Aber ist die Blogosphäre deswegen tatsächlich linkfaul?

Und wohin bringt uns das? Ganz einfach. Hierhin:

Blogs not dead – Lose Gedanken zum Blogblues (vom 17. Oktober 2007)

+ Scheiß auf den Statistik-Kram.

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27 comments

Die meistverlinkten Blogs, also die aus den pseudo-offiziellen Charts, sind selten die besten Blogs. Und linkfaul war die deutsche Blogosphäre doch schon immer, oder?

😉 da hat sich gerade einer Charakterpunkte verdient!

Charts interessieren doch nur die Handvoll von Bloggern, die das Bloggen als Job begreifen und Einnahmen generieren wollen. Ob durch direktes Ansprechen von Werbepartnern oder als Kompetenzausweis für ihre freiberuflichen Tätigkeiten und Auftritte. Top-irgendwas zu sein ist nur wichtig, wenn man damit was anfangen kann. Mehr Leser kommen über die Charts nicht. Jegliche Diskussion, wie man die Charts „valider“ machen kann, sind am Ende auch interessengetrieben. Basic wird nur neue Algorhythmen vorschlagen, die sein Blog in den Charts nach vorne bringen. Im Grunde müsste man das einfach ignorieren. Lasst den Elefanten ihre Spielwiese, solange sie nichts kaputt machen, und kümmert euch um guten Content.

Dein Argument lautet „Basic sagt, Blogs seien tot“… =

1. Nope, sehe ich nicht so, ließe sich auch – obwohl geschehen – schwer aus meinem Text rauslesen. Stellte die Hypothese ganz klar auf, dass Linkverweise heute hauptsächlich via Twitter und FB erfolgen. Argumentiere mit der Ableitung der Top 100. In früheren Artikeln habe ich mir noch die Mühe gemacht, auf andere Untersuchungen hinzuweisen, die Themen-Blogs im Fokus hatten (zB Jurablogs). Da ist der Trend ebenso seit 2008 zu beobachten gewesen (abnehmendes Blog-zu-Blog Linkaufkommen). Habe ich einfach aus Faulheitsgründen nicht mehr geschrieben. Die Top100 reichen mir als Trendnachweis völlig aus. Da „top“ mag lediglich andere verleiten, in andere Richtungen zu denken. Ok.

2. Der Fehler aus Icerocket wirkt sich nicht nur auf topblogs aus, sondern auf alle erfassten Blogs, kein Argument in meinen Augen. Statistisch wird der Fehler über alle Bloglinks gleich bleiben.

3. Meine Kernaussage bezieht sich auf die neuen, schnellen Informationsverteiler (T+FB) und den Wechsel der Rolle, die die Blogs früher an dieser Stelle eingenommen hatten. Topblogs interessieren mich hierbei gar nicht.

Ich denke, Du bist eigenen, persönlicher Triggern bei Deiner Betrachtung aufgesessen, die mit meinen Aussagen wenig zu tun haben 😉

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